Menschenführung ist Kommunikation

Ein Sicherheitsingenieur begleitete einen Wachmann bei einem Kontrollgang. Während des Rundganges erklärte der Wachmann, was alles zu seinen Aufgaben gehörte. Als sie sich dem Lager näherten, betonte er, wie wichtig es sei zu prüfen, ob das Kipptor auch wirklich geschlossen ist, da sich viele teure Waren im Lager befänden.

Als der Sicherheitsingenieur ihn fragte, auf welche Weise er das prüfe, erklärte er ihm, daß er einen Blick auf die beiden Schlösser unten an jedem Tor werfe. Der Ingenieur fragte nach, ob er schon jemals an diesen Schlössern gerüttelt hätte, um festzustellen, ob sie auch wirklich abgeschlossen wären, meinte er „Nein, aber das ist eine gute Idee“. Er bückte sich, griff nach dem Schloß, und zu seinem Erstaunen war es nicht eingerastet. Völlig verdutzt überprüfte er daraufhin alle Schlösser und meinte zu ihm: „Ab heute werde ich das immer so machen.“

Anschließend fragte ihn der Ingenieur, ob er schon einmal überprüft hätte, ob sich das Tor trotz der Verriegelung öffnen ließe. Er verneinte dies, weil es seiner Meinung nach unnötig war, aber wenn der Ingenieur unbedingt darauf bestünde, würde er es selbstverständlich überprüfen. Er ging zum nächsten verriegelten Tor, bückte sich, und zu seinem Erstaunen ließ es sich problemlos öffnen.

Nachdem sich beide von diesem Schock erholt hatten, stellten sie fest, daß das Vorhängeschloß zwar geschlossen, aber nicht durch den Bügel am Boden geschoben worden war. Dies war nicht die Schuld des Wachmannes; denn man hatte ihm nur gesagt, daß er dafür zuständig sei zu prüfen, ob die Tore geschlossen waren, ihm aber nicht gezeigt, wie er das tun mußte.

Quelle: Ferdinand F. Fournies, Warum Mitarbeiter nicht tun, was sie tun sollen.
Rusch Verlag, Hörbuch

Führungskräfte drücken sich nicht immer eindeutig aus und sind dann enttäuscht, wenn das erwartete Ergebnis ausbleibt. Kommunikation geschieht ja auf zwei Ebenen: Auf der Inhaltsebene (zu etwa 25 %) und auf der Beziehungsebene (zu etwa 75 %). In meinen Seminaren trainieren wir, uns so auszudrücken, daß sich unser Gesprächsparter auf einer „Wellenlänge“ mit uns befindet. Durch Feedback erkennen wir, ob wir uns wirklich „verstehen“.

Zugegeben, diese Art der Kommunikation ist etwas zeitaufwendiger. Die Vorteile allerdings sind zufriedene Führungskräfte und Mitarbeiter sowie erheblich weniger Fehler.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Kommunikation.


Für die Inhalte dieses Artikels ist nicht top-experten.com, sondern Manfred Flügge verantwortlich.

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