Wenn Blicke «töten» könnten

Der gerade Blick

Dieser Blick ist Ausdruck von Geradlinigkeiten, Aufrichtigkeit sowie Festigkeit im Denken und Handeln. Über diesen Blick teilen sich uneingeschränktes Interesse und Hilfsbereitschaft mit. Man kann ihm unvoreingenommen und vorurteilsfrei begegnen, denn er offenbart die gleichberechtigte Anerkennung des Anderen und seines Selbstwertgefühls, das hier nicht in Frage gestellt werden will. Mit dem geraden Blick wird der des Anderen ausgehalten, weil man nichts zu verbergen hat. Er strahlt Glaubwürdigkeit aus.

Der ausweichende Blick

Mit diesem Blick will man ganz offensichtlich ein verunsichertes Selbstbewusstsein angesichts einer gegebenen Situation signalisieren. Womöglich wird auch die angenommene eigene Unterlegenheit anderen gegenüber zum Ausdruck gebracht. Auf jeden Fall will dieser Blick «ausweichen», weil der, der so schaut, sich in einer für ihn unangenehmen Lage befindet, die er aus eigener Kraft nicht verarbeiten kann. Dieses Eingeständnis momentaner Schwäche soll natürlich auf diese Weise vor anderen Menschen verborgen gehalten werden. Dieser Blick kann auch durch ein Schuldgefühl verursacht werden.

Der Blick von oben herab

Manchmal spricht der Blick von oben herab von berechtigtem Stolz, in der Regel aber signalisiert er Überheblichkeit, Arroganz und Hochmut. Unmissverständlich will dann das Bewusstsein um die eigene Überlegenheit anderen gegenüber zum Ausdruck gebracht werden. Hiermit verbindet sich die bewusst vorgetragene und in Kauf genommene Geringschätzung anderer Menschen.

Der Blick von unten

Auch hier steht zunächst zu vermuten, dass sich uns über diesen Blick mangelndes Selbstvertrauen und Zweifel am eigenen Selbstwertgefühl mitteilen. So drücken sich Minderwertigkeits– und Schuldgefühle aus. Im schlimmsten Fall signalisiert dieser Blick Selbstaufgabe, Ergebenheit in das eigene Schicksal und eine gewisse Unterwürfigkeit. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass mit diesem Blick eine ablehnende Haltung anderen gegenüber unterstrichen werden soll.

Der wandernde Blick

Über diesen Blick teilt sich häufig der Wunsch nach Kontaktaufnahme mit. Vielerorts verbirgt sich hinter diesem unruhig wirkenden Blick das Verlangen, so viel als möglich an einer Situation oder Gegebenheit wahrzunehmen. Dann spricht er für Neugier, Interesse oder starke sinnliche Aufnahmebereitschaft.

Der seitliche Blick

Wer so sein Gegenüber anschaut, will ganz offensichtlich den direkten Blickkontakt vermeiden. Die Ursachen hierfür können verschieden sein. Es besteht die Möglich, dass es sowohl aus eigener Unsicherheit heraus oder Selbstzweifel geschieht als auch aus der Absicht, eine momentane Befindlichkeit verdeckt zu halten, um nicht durchschaut zu werden. Des Weiteren können Verlegenheit und Schüchternheit hinter diesem Blick vermutet werden, der übrigens auch dann auftritt, wenn jemand einer Tatsache verständnislos gegenübersteht.

Der fixierende Blick

Dieser Blick will andere einer kritischen und prüfenden Betrachtung unterziehen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Blick nicht gewillt ist, an der Erscheinung stehen zu bleiben. Hier besteht ganz offensichtlich die Absicht, Wesentliches zu erfassen, mehr in Erfahrung zu bringen, als das äußere Erscheinungsbild hergibt. So gesehen, verweist dieser Blick auf die nonverbale Unterstreichung von Erkenntnisdrang und Wissensdurst, kann aber auch Ausdruck von Zweifel und Skepsis, momentanem Unglauben sein.

Der unruhige Blick

Hier handelt es sich um eine eindeutige nonverbale Widerspiegelung körperlicher als auch seelischer Unausgeglichenheit. Viel deutlicher kann sich die Unzufriedenheit eines Menschen mit einer äußeren Situation oder inneren Befindlichkeit nicht zu erkennen geben.

Der lebhafte Blick

Zunächst einmal signalisiert dieser Blick geistige Aufgeschlossenheit und spricht von der Bereitschaft, auch eine Vielzahl sinnlicher Eindrücke aufzunehmen. Er strahlt ein äußerst vielseitiges Interesse an einer gegebenen Situation aus und artikuliert Unternehmungslust sowie Handlungsbereitschaft.

Der schmachtende Blick

Mit diesem Blick «himmelt» jemand sein Gegenüber an. Hier wird tiefe Zuneigung, vielleicht auch Verehrung signalisiert. In den meisten Fällen strahlt dieser Blick die Bereitschaft zur seelischen, aber auch körperlichen Hingabe aus.

Der lauernde Blick

Dieser Blick lässt nichts Gutes erhoffen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der, der so schaut, regelrecht auf einen Anlass wartet, um z.B. einen bereits vorprogrammierten Streit nun endlich zu entfachen oder eigenen Frust abzureagieren.

Der ablehnende Blick

Mit diesem Blick können eine Vielzahl negativer Botschaften versendet werden, die in ihrer Zusammenfassung sagen wollen: dich kann ich nicht leiden, du bist mir egal oder: Es wäre am besten, wenn du mir in Zukunft aus dem Weg gehen würdest, es hat wirklich keinen Sinn, dass du dich um mich bemühst.

Der schräge Blick

Wer diesen Blick auflegt, signalisiert eine hintergründige und heimliche Neugier. Man will sehen, ohne dass es von anderen bemerkt wird.

Der freche Blick

Diesem Blick kann man nur selten standhalten und darin besteht auch sein Sinn: Mit ihm sollen andere eingeschüchtert werden und sie werden nicht als gleichberechtigt betrachtet.


Für die Inhalte dieses Artikels ist nicht top-experten.com, sondern Bernhard P. Wirth verantwortlich.

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